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Den Abschluss meiner kleinen Nord-Tour, die ja durch die ungeplante Änderung meiner Ziele eher eine Nord/Ost-Tour wurde, hatte ich eigentlich nach dem Spiel bei Bremen einen
Kick leicht nördlich von Hannover heraus gesucht, um bereits das erste kleine Stück der Heimreise hinter mich gebracht zu haben. Die Änderung bedeutete allerdings, dass dieses Spiel nicht
mehr mit dem Mittagsspiel (in Schwerin) kompatibel ist, also musste auch hier ein Ersatzspiel her. Dieses fand ich recht zügig und der Ground ist sogar laut Bildern recht ordentlich, zudem
bin ich im Bundesland Meck-Pomm sowieso ziemlich schwach. Um 15:55 Uhr fuhr ich in der Landeshauptstadt weg und meine Strecke waren dieses Mal nur 26 Kilometer, die das Navi mit 24 Minuten
veranschlagte. Ruckzuck war ich wieder auf der B106 und das erste Stückchen war exakt entgegengesetzt zur Hinfahrt knapp 2,5 Stunden zuvor. Die letzten etwa 12 Kilometer war fast komplett
über kerzengerade Landstraßen, wie man sie im Osten öfters findet. Knapp zehn Minuten vor Spielbeginn stellte ich mein Fahrzeug auf dem Parkplatz des Sportgeländes ab und wurde das erste Mal
überrascht, denn hier stand eine kleine Gruppe Ultras-Jungscher. Am Eingang drei Euro bezahlt und das zweite und drittes Mal überrascht, denn zuerst wurde man von offiziellen
Security-Mitarbeitern beäugt und dann der Blick rund um den Platz, wow, hier waren an 200 Zuschauer. Schnell mal geschaut und direkt gesehen, dass es sich ja tatsächlich um ein Derby handelt,
da nur 15 Kilometer zwischen den Ortschaften liegen, top. Ich drehte meine Runde zum schießen der Fotos und setzte mich auf die letzte freie Bank auf der Gegengeraden, wo sich hauptsächlich
Gäste-Anhänger aufhielten.
In der Landesklasse Mecklenburg-Vorpommern IV, was die achthöchste Liga-Ebene ist (in Hessen entsprechend der Kreisoberliga) standen sich heute die Vereine vom VFB Goldenstädt und dem SV
Fortschritt Neustadt-Glewe gegenüber. Rein vom Tabellenbild gesehen handelt es sich um die Plätze Drei und Neun, wobei die Hausherren trotz des gut ausschauenden dritten Platzes mit der
Meisterschaft (und somit dem Aufstieg) nichts mehr zu tun haben, denn der Abstand beträgt elf Zähler. Kurioserweise sind es zum elften Platz, der gerade so noch knapp "über dem Strich" ist,
ebenfalls nur elf Zähler. Die Gäste haben aktuell 23 Punkte gesammelt und somit acht bzw. neun Punkte Vorsprung auf den Abstiegsrelegationsplatz bzw. den ersten direkten Abstiegsplatz. Selbst
obwohl immer noch neun Spiele zu spielen sind, da im Osten immer lange gespielt wird, sollte man im Normalfall da unten nicht mehr hinein rutschen.
Das Spiel war direkt von Beginn an geprägt von harten Zweikämpfen, viel Willen und absoluter Intensität. Dazu kamen noch Pöbeleien von außen in Richtung Coaching Staff, auf welchen dann die
Spieler reagierten und auch in der zweiten Halbzeit noch ein Böllerschlag. Es war schön höllisch etwas los bei meinem letzter Kick des Tages und da ich mich vorher aufgrund der
Kurzfristigkeit nicht wirklich über diese Partie informiert hatte, kam es alles überraschend für mich. Genauso überraschend, wie dass in der Anfangsphase die Gäste das bessere Team waren und
nach ihrer frühen Führung, legten sie sie sogar zeitnah noch einen zweiten Treffer nach. Von den Hausherren war in der ersten Hälfte der ersten 45 Minuten wenig zu sehen und erst ein direkten
Freistoß, der aus knapp 20 Metern direkt verwandelt wurde, brachte sie ins Spiel, Ab diesem Zeitpunkt war man die stärkere der beiden Mannschaften, es dauerte aber bis zur Nachspielzeit der
ersten Hälfte, als man den mittlerweile verdienten Ausgleich erzielen konnte. Zu diesem Zeitpunkt waren wir schon nass, denn ein kurzer, aber intensiver Regenschauer, ließ unsere Klamotten
und Körper feucht werden, da war schon sehr clever von mir, dass ich vor dem zweiten Spiel in Schwerin die kurze Hose angezogen hatte. Naja egal, die Sachen trockneten wieder ein wenig und
nach dem Seitenwechsel ging es erneut direkt flott weiter. Die Gäste aus der Nähe von Ludwigslust gingen erneut in Front, aber auch hier kämpfte sich der VfB wiederum ins Spiel zurück und
trafen wieder zum Ausgleich. Das Spiel stand nun auf Messers Schneide und ging gut hin und her, Neustadt-Glewen schwächte sich durch eine rote Karte nach einem groben Fou selbst, aber das
merkte man nicht wirklich, es blieb recht ausgeglichen. Nach Ablauf der regulären Spielzeit wurde Gleichzahl auf dem Rasen hergestellt, aber nicht durch ein Foulspiel, sondern da muss es
irgendwo abseits des Spielgeschehens eine Beleidigung gegeben haben. Das weckte den SV Fortschritt nochmal und nach einer vergebenen Großchance, erspielte man sich eine weitere und hier
machte man es besser und hämmerte in der dritten Minute der Nachspielzeit den Ball zum viel umjubelten Siegtreffer in die Maschen - hier gab es sogar einen kurzen Jubel-Platzstur, der
Gäste-Anhänger. Auch nach dem Spiel wurden die Derbysieger von ihren Fans gefeiert und das schaute ich mir noch an, bevor ich völlig zufrieden das Sportgelände verließ.
Absolut positiv überrascht (da ich eben nichts erwartet hatte), fuhr ich um 18:35 Uhr vom Parkplatz des Sportgeländes herunter. Nun hatte ich die Auswahl komplett Autobahn zu
fahren, aber den großen Schlenker zurück über Hamburg zu machen oder halt die viel direktere Route, die 75 Kilometer spart, aber trotz vieler Kilometer Bundesstraße laut Navi auch nur sechs
Minuten länger dauern sollte. Fünf Minuten nach Abfahrt fuhr ich auf die A24, wählte die Richtung Berlin (495 km mit viel Bundesstraße, Dauer 5:10 Std.) und nicht Richtung Hamburg (570
Kilometer mit durchgehend Autobahn, Dauer 5:04 Std.). Diese Entscheidung wählte ich aber auch, weil klar war, dass ich einen Großteil der Strecke außerhalb der Autobahn noch im Hellen hinter
mich bringen kann. Zudem weiß man nie, rund um Hamburg kann es auch schnell mal einen Stau geben und darauf hatte ich am allerletzten Bock drauf. Kaum auf der Autobahn A24 wechselte ich nach
zwei Kilometern auf die A14 in Richtung Ludwigslust, blieb hier aber auch nur für 14 Kilometer, um an der Abfahrt Grabow wieder abzufahren und auf den B191 und B4 Richtung Heimat zu fahren.
In Dannenberg (Elbe) tankte ich die Karre noch voll und weiter ging es an Uelzen und Gifhorn vorbei und kurz vor Braunschweig ging es endlich wieder auf den Highway, genauer gesagt auf die
A391. Grundsätzlich ließen sich die exakt 155 Kilometer recht gut fahren, da auch erstaunlich wenig Verkehr war (unter der Woche wird das auch anders aussehen). Tierisch aufpassen muss man
natürlich, weil verdammt viele fest installierte Blitzer am Straßenrand stehen, zumeist in den massig vorhandenen 70er Zonen. Am Kreuz BS-Südwest wechselte ich auf die A39 und am Dreieck
Salzgitter auf die A7. Hier gönnte ich mir dann auch mal ein Pinkelpäus‘chen und schnappte mal in aller Ruhe ein wenig Luft. Bei Kassel gibt es auf die A49 und die war mal wieder, wie so oft,
ziemlich leer. Hier musste ich aufpassen nicht aus Langeweile müde zu werden. Der letzte Autobahnswitch war am Ohmtal-Dreieck zur A5, aber an der Ausfahrt Homberg (Ohm) war Schluss mit
Highway-Fahrerei, ich wählte auch hier wieder die kürzeste (und auch schnellste) Route. Am P&R-Parkplatz blieb ich nochmal kurz stehen, um halbwegs fit auf die knapp 40 Kilometer durch
Wälder und an Äckern und Wiesen vorbei zu kommen. Durch Mücke, Ulfa und Nidda ging es nachhause, die Wildtiere ließen mich in Ruhe, einzig der immer stärker werdende Regen nervte, aber auch
das brachte ich hinter mich. Um 0:35 Uhr bog ich zuhause in unseren Hof ab und stellte mein Fahrzeug in der Garage ab, vollkommen übermüdet, aber wieder mal happy wie die Tour verlaufen ist -
auch wenn sie eigentlich ein wenig anders geplant war. Oben räumte ich noch die Tasche aus und verfolgte danach die heute beginnenden NHL Play-offs, trotz starker Müdigkeit war es schon
wieder fast 3 Uhr, als mich legte.