Als ich vor etwas mehr als zwei Wochen mit Matthias beim VfR Bockenheim war, sagte ich ihm, dass egal wie die Play-Down-Runde beim EC Bad Nauheim verläuft, am Sonntag, den
29.03., definitiv kein Spiel wäre. Ich erklärte ihm, dass ich dort einen Oberligisten machen will und da es sich um einen Sonntag handelte, schlug ich zwei, drei Mittelrheinligisten vor, also
schon eher die nähere Kategorie. Er sagte mir, dass er Freitag/Samstag in und um Berlin sei und Sonntags Zeit hätte, da er Samstags Abends nach seinem Kick bei Preussen mit dem Zug nachhause
fahren werde. Dann fiel der entscheidende Satz „Neustrelitz spielt Sonntags im Pokal daheim, aber mit dem Zug nicht möglich“. Bei mir ratterte es natürlich direkt im Hirn und ich wusste, dass
nachdem wir Anfang der Saison Siedenbollentin gemacht hatten, Neustrelitz nach Rostock II noch der zweitweiteste fehlende Oberliga-Ground von mir ist. Ich hatte da auf einmal Bock drauf und
nachdem ich gesehen hatte, dass morgens um 10:30 Uhr noch ein Landesklasse-Spiel angesetzt war, sagte ich, dass ich das als Tagestour machen
würde und ihn irgendwo bei Berlin einsammeln würde. Zuerst erntete ich einen unglaubwürdigen Blick, aber recht schnell waren wir uns einig und schon stand die Planung für den heutigen Tag.
Matthias buchte sich noch eine zusätzliche Nacht in einem Hotel in der Bundeshauptstadt und ich fand mit Sven noch einen dritten Mitfahrer, sauber. Dass natürlich gerade in dieser Nacht die
Uhren ungestellt werden und wir sowieso eine Stunde geklaut bekommen, das sah ich erst am Folgetag, aber deswegen lasse ich die Tour natürlich nicht platzen, zumal gestern nur ein
OFC-Heimspiel und um 17 Uhr in Saulheim bei Mainz noch ein zweiter Kick anstand. Danach fuhr ich halt direkt nachhause und versuchte schnellstmöglich zu pennen, denn das ist schon ein
ordentliche Strecke für einen Tages-Trip.
Dieser Trip begann morgens um 3:15 Uhr mit dem klingeln des Weckers, wobei wir ja eigentlich 2:15 Uhr hatten, aber eine Viertelstunde zuvor stellten sich die Uhren auf die
Sommerzeit um. Ich lag gestern Abend zwar um 21:30 Uhr recht früh im Bett, drehte mich aber noch mehrmals hin und her, bis ich tatsächlich eingeschlafen war, dürfte es in Richtung 23 Uhr
gewesen sein und so wurde aus einer eh schon kurzen Nacht sogar noch eine sehr kurze Nacht. Aber keinerlei Beschwerden oder Jammern meinerseits, wir machen es ja freiwillig und das sogar
gerne. Sven war wieder absolut pünktlich bei mir und da ich auch gut in der Zeit war, kamen wir um 4:01 Uhr, also mit einer verschmerzbaren Verzögerung von einer Minute, bei mir zuhause los.
Die Strecke bis zu unserem ersten Kick des Tages waren insgesamt 629 Kilometer und sollte 5:39 Stunden dauern, der kleine Schlenker um Matthias am Bahnhof in Elstal (Wustermarck) einzusammeln
und ein wenig Puffer waren natürlich bereits mit eingerechnet. Da ich keine Lust hatte mitten in der Nacht die etwa 40 Kilometer kurvige Strecke durch die ganzen Wälder mit dem regen
Wildwechsel zu fahren, fuhren wir in Berstadt auf die A45 und nahmen den kleinen Umweg bis zum Reiskirchener Dreieck freiwillig in Kauf. Dort ging es auf die A5 und am Ohmtal-Dreieck auf die
A49, auf welcher wir bis hinter Kassel blieben. Dort wechselten wir dann auf die A7 weiter in Richtung Norden, um am Dreieck Salzgitter auf die A39 zu switchen und auch ein wenig östliche
Richtung dazu zu bringen. Hinter Braunschweig war ab dem Kreuz Wolfsburg/Königslutter die A2 unser nächster Highway, den wir heute nutzten und zwar sogar bis kurz vor Potsdam. Ein letzter
Wechsel war dann der am Dreieck Werder auf die A10, hier mussten wir aber nach knapp 30 Kilometern die Autobahn verlassen. Wir tankten schnell noch voll, damit wir nachher erstmal fahren
können und nicht auf die Tanknadel achten müssen. Danach holten wir Matthias am Bahnhof Elstal (Wustermark) ab, wo er vor ein paar Minuten angekommen war. Es ging direkt wieder zurück auf die
A10 und schnurstracks in Richtung Norden weiter, bevor wir am Dreieck Havelland rechts ab mussten und den Schildern Hamburg/Rostock folgten. Ein allerletztes Mal wechselten wir am Kreuz
Wittstock/Dosse noch zur A19 und hatten somit neun verschiedene Autobahnen benutzt, bevor wir an der Ausfahrt Röbel/Müritz erstmal die Highway-Fahrten beendeten. Nach acht Kilometern
Landstraße kamen wir um 10:05 Uhr am Ground an, parkten das Auto und nachdem Bezahlen von drei Euro am Eingang betraten wir das Sportgelände. Zuerst wurden natürlich die Fotos geschossen,
bevor es zum Frühstück zwei super leckere (selbst gemachte) Buletten gab. Diese waren nicht nur geschmacklich gut, sondern mit 2,50 Euro preislich absolut fair, ebenso wie das 0,5l Wasser für
1 Euro, 0,5l Softdrinks für 1,50 Euro und das Bierchen für 2 Euro. Danach setzten wir uns seitlich auf eine Bank und schauten dem Treiben auf dem Naturrasen zu.
Dieses zusätzliche Spiel war eins der Landesklasse Mecklenburg-Vorpommern III und in dieser Staffel mit 14 Mannschaften standen sich die Teams auf den Rängen Elf und Eins
gegenüber. Komplett unterschiedliche Voraussetzungen also und die Favoritenrolle war natürlich schnell verteilt. Die Hausherren stecken mitten im Kampf gegen Abstieg, befinden sich aktuell
aber noch über dem Strich, dieses allerdings aber auch nur aufgrund der um sechs Toren bessere Tordifferenz gegenüber dem Team auf dem Abstiegsrelegationsplatz. Selbst zu dem ersten
Direktabsteiger sind es gerade mal nur drei Punkte Vorsprung, da es sich aber um ein Nachholspiel des 14. Spieltags handelt, ist das Spiel heute ein Joker und es wären eben Zusatzpunkte, die
die anderen Mannschaften nicht mehr holen können. Aber um Punkt(e) zuhause zu behalten, muss vermutlich vieles passen, denn heute zu Gast ist niemand geringeres als das Top-Team der Liga. Der
derzeitige Tabellenführer hat zwei bzw. drei Zähler Vorsprung auf die Verfolger, aber da dieser Kick der einzige offene Nachholer ist, sind es natürlich auch Bonuspunkte für die Gäste und mit
einem Dreier hätte man also fünf Punkte auf den Rest der Liga, bei noch zehn ausstehenden Spielen. Rogeez spielte 2016/17 noch Kreisklasse und ist nach zwei Aufstiegen nun das vierte Jahr in
Folge in der Landesklasse, wobei die ersten drei Spielzeiten mit den Endplatzierungen Vier, Drei und Drei weitaus erfolgreicher waren, als die laufende Runde. Warin hingegen stieg 2018/19 aus
der Landesliga in die Landesklasse ab und hält sich seitdem durchgehend dort. Nach einer schwachen ersten Saison, in der man fast den zweiten Abstieg in Folge hingelegt hätte, beendete man
vier der letzten fünf Jahre jeweils in den Top 4 des Rankings. Zum ganz großen Wurf und der Rückkehr in die Landesliga reichte es bisher noch nicht - aber vielleicht ja dann in diesem
Jahr!?
Beim heutigen Kick waren es erstaunlicherweise aber die Hausherren, die über weite Teile der ersten Hälfte das offensiv aktivere Team waren. Bis zum Strafraum kam man oftmals
sehr gut durch, die Abschlüsse landeten dann aber zumeist irgendwo im nirgendwo, auf jeden Fall waren diese so ungefährlich, dass der Gäste-Torhüter annähernd gar nicht eingreifen musste. Der
Tabellenführer versuchte es viel mit langen Bällen auf die schnellen Leute vorne, aber diese waren oftmals zu ungenau oder auch hier der Abschluss dann zu ungefährlich. So ging es dann auch
mit einem torlosen Remis in die Kabinen und auch nach dem Seitenwechsel gehörte die erste Möglichkeit den Hausherren. In der Folgezeit war es ein recht ausgeglichenes Spiel, in der beide
Seiten Chancen auf das erste Tor hatten, aber die Versuche wurde oft ziemlich kläglich vergeben, anders kann man es nicht benennen. Es lief wirklich alles auf ein 0-0 hinaus, da schlug der
Tabellenführer einen langen Ball und im Strafraum gab es einen Körperkontakt, der aber keinesfalls über normale Härte hinaus ging. Viel Glück für den FC, dass der Unparteiische es anders sah
und auf den Punkt zeigte. Der Strafstoß war zwar nicht besonders gut geschossen, fand aber doch den Weg ins Netz. Der SVR versuchte noch mal alles, um nicht doch zumindestens wenigstens einen
Punkt zuhause behalten zu können, der Ball ging aber einfach nicht ins Tor. Im Gegenteil: Bei einem der vielen Gäste-Konter gab es noch einen weiteren Foulelfmeter, dieses Mal aber völlig
zurecht und dieses Mal wurde er auch souverän verwandelt. Direkt danach war Schluss und der Spitzenreiter nimmt die schmeichelhaften drei Punkte mit auf den weiten Weg nach Hause. Nachhause
bedeutete übrigens eine Strecke von 85 Kilometer Landstraßen, was 1:12 Std. laut Navi dauern wird. Und jetzt Achtung: Diese Strecke ist
nicht(!) sie Weiteste in der Liga! Von Warin (Nähe Schwerin) bis nach Altentreptow (nördlich von Neubrandenburg) sind es „schnellste Route (komplett Autobahn)“ 1:37 Std. für 176 Kilometer
oder „kürzeste Route (komplett Bundesstraßen)“ 124 Kilometer bei 1:48 Std. Fahrzeit. Unfassbare Strecken, denn wir reden hier immer noch von achtklassigem Fußball, was bei uns in Hessen die
Kreisoberliga-Ebene ist.
Zu Teil 2 des Berichtes => KLICK!