Normalerweise bin ich Freitags immer mit Eishockey belegt, da aber das Gastspiel meines EC Bad Nauheim bei der Düsseldorfer EG aufgrund einer belegten Multifunktionsarena in
den Februar 2026 verlegt wurde und zudem die Regionalliga Südwest die Kickers dafür auf den gestrigen Tag terminierten, hatte ich den heutigen Samstag zur freien Verfügung bzgl.
Groundhopping. Ich tat mich wirklich sehr lange schwer ein passendes Programm zu finden, idealerweise sollte natürlich auch wieder ein Oberligist besucht werden, aber von der sowieso schon
beschränkten Anzahl an möglichen Grounds brachen nach und nach immer mehr weg. Ich entschied mich ursprünglich für Denzlingen und dem vorletzten fehlenden in der Staffel Baden-Württemberg,
aber dieser Kick wurde schon Anfang der Woche gecancelled - nicht wegen des Wetters, sondern weil in 20 Kilometer Entfernung zu Denzlingen gegen Aalen zeitgleich Bahlingen gegen Homburg
stattfinden würde. Beide Gäste-Fanlager seien sich nicht grün und so hatte die Polizei hier Sicherheitsbedenken, also Spielabsage. Es ist mittlerweile echt unfassbar und dafür behalte ich
meine Gedanken lieber einfach mal gepflegt bei mir... Einige der noch angesetzten Partien wurden auf die Nebenplätze der jeweiligen Vereine verlegt und fielen somit für mich auch aus der
Verlosung raus. Am Ende lief es auf drei, vier letzte Ideen hinaus, wobei ich bei Dynamo Schwerin (Staffel NOFV Nord) kein zweites Spiel passend dazu fand und es mir für den einen Kick mit
ca. 560 Kilometer zu weit war. Zu Aumund-Vegesack (Staffel Bremen) fand ich passende zweite Spiele, wenn auch größtenteils nur auf Nebenplätzen, aber leider kam vom Verein via Social Media
keinerlei Antwort auf meine Rückfrage, ob denn tatsächlich definitiv im Stadion auf Naturrasen gespielt werden würde. Hier war mir das Risiko bei 440 Kilometern einfach zu hoch dort hin zu
fahren und am Ende kickt man auf dem Kunstrasen nebenan. Letztendlich kristallisierte sich der Aufsteiger in die Staffel Niederrhein, die Holzheimer SG, als am sinnvollsten heraus, da man
hier sowieso einen Kunstrasen als Hauptplatz besitzt und da zuletzt keine Temperaturen unter dem Gefrierpunkt herrschten, dürfte es definitiv durchgezogen werden. Anpfiff war erst auf 18 Uhr
terminiert, es gab auch einige Möglichkeiten des zweiten Tagesspiels, gerade in den Niederlanden war doch noch einiges angesetzt. Allerdings wollte ich auch nicht allzu früh weg, sondern mal
möglichst lange ausschlafen und so entschied ich mich für ein Bezirksliga-Spiel im Verband Mittelrhein vor dem eigentlichen Ziel-Spiel des Tages. Die endgültige Entscheidung für diese Tour
fiel tatsächlich erst gestern Abend im Bett.
Der OFC gewann gestern Abend sein letztes Spiel vor der Winterpause mit 3-1 gegen den Drittplatzierten, der Zweitvertretung des Bundesligisten 1. FSV Mainz 05, die u.a. mit
dem 211-fachen Bundesliga- und 19-fachen türkischen Nationalspieler Yunus Malli antraten. Ein versöhnlicher Abschluss, der aber nicht über die ansonsten unterirdische Vorrunde hinweg tröstet.
Ich war somit bereits früh zuhause, verfolgte aber noch ein wenig NHL ab 1 und dürfte so gegen 2:30 Uhr irgendwann eingeschlafen sein. Nach ordentlichen annähernd sieben Stunden Schlaf wurde
ich kurz vor dem Klingeln des Weckers um etwa 9:15 Uhr wach. Ich frühstückte gemütlich, schaute dabei ein wenig die Highlights der anderen DEL2-Spiele vom gestrigen an. Um exakt 10:30 Uhr
machte ich mich auf den Weg, der vom Navi mit mit 282 Kilometer und 2:57 Stunden Fahrzeit angegeben hatte. In Nidda musste ich im Paketshop noch etwas abgegeben, aber „kurz“ vor Weihnachten
versendet wohl die halbe Welt Päckchen, denn die Schlange vor mir war etwa sieben, acht Personen lang. Ich war aber immer noch gut in der Zeit, aber mein Puffer schrumpfte auf etwa 50
Minuten, als ich in Berstadt auf die A45 fuhr. Bis auf die üblichen Baustellen war diese frei und ich kam problemlos bis zum Kreuz Olpe-Süd, wo ich auf die A4 wechselte. Hier hatte ich eine
etwa 10-minütige Verzögerung an der Baustelle bei Bielstein, weil hier immer noch eine einspurige Verkehrsführung ist. Via A3 und A4 umfuhr ich die Domstadt südlich und es war schon einiges
an Verkehr den der FC spielte 2,5 Stunden später gegen Sankt Pauli. Hinter Köln ging es ab dem Kreuz Kerpen auf der A61 in nördliche Richtung weiter und am Dreieck Jackerath befuhr ich die
A44, die ich aber an der ersten Abfahrt, Titz, wieder verließ. Von hier waren es noch exakt 20 Kilometer auf Bundes- und Landstraßen. Um 13:40 Uhr kam ich am Sportgelände an und parkte auf
den Asche-Nebenplatz. Man hatte zuvor schon vermeldet, dass man auf diesem parken dürfe, somit war auch klar, dass man auf dem Hauptplatz mit Naturrasen spielen würde. Am Eingang sechs Euro
gezahlt, hatte ich natürlich massig Zeit für meine Fotorunde und konnte auch in aller Ruhe noch eine Mantaplatte zum verspäteten Mittagessen zu mir nehmen, bevor das Spiel halbwegs pünktlich
begann.
Beide Vereine rührten im Social Media Bereich vorab kräftig die Werbetrommel für dieses Spiel, „Derby Time“ und „Spiel der Spiele“ waren unter anderem die Bezeichnungen. Nun
gut, lasse ich mich mal überraschen, tabellarisch gesehen war es auf jeden Fall eine ordentliche Konstellation. In einer 16er Liga sind die beiden Mannschaften aus diesem Stadtderby nach 13
Spieltagen auf den Rängen Zwei und Fünf platziert. Die Hausherren haben zum Tabellenführer und einzigen Aufstiegsplatz (in NRW gibt es ja keine Relegation) fünf Punkte Rückstand, aber zwei
Spiele weniger absolviert. Eine große Chance heute für sie, denn der Spitzenreiter kam gestern Abend zuhause nicht über ein 2-2 gegen den Neunten hinaus und somit können die Germanen den
Abstand mit einem Sieg gegenüber dem letzten Wochenende von vier auf zwei Zähler halbieren. Zudem hat man noch ein Spiel mehr in der Hinterhand und kann sich durchaus berechtigte Hoffnungen
nach ganz oben machen. Die Gäste, deren Sportgelände keine fünf Kilometer entfernt liegt, dürften nach oben vermutlich keine Chancen mehr haben, denn der Rückstand beträgt bei einem weniger
ausgetragenen Spiel (dem heutigen) aktuell schon 13 Punkte und selbst bei einem Dreier wäre dieser immer noch zweistellig. Nach unten zu den Abstiegsplätzen sollte bei elf Punkten mehr auch
nichts mehr anbrennen, dennoch rechnete ich mit einer motivierte. Ay-Yildiz Spor Truppe, denn was gibt es schöneres als dem Stadtkonkurrenten im direkten Duell kräftig in die Suppe zu
spucken? Man mag kaum glauben, dass Hilfarth 2022/23 noch in der Kreisliga B spielte, man ließ zwei Aufstiege am Stück folgen, etablierte sich in der vergangenen Spielzeit mit Platz 4 direkt
in der Bezirksliga und spielt nun erneut um den Aufstieg mit. Auch für Hückelhoven ist es erst die zweite Bezirksliga-Saison in Folge und auch sie waren vor nicht allzu langer Zeit noch
B-Ligist, allerdings war es dann doch schon 2018/19.
Das Spiel begann weitestgehend ausgeglichen, am meisten Gas auf dem Naturrasen gab noch der Unparteiische, der bereits nach der Hälfte des Spiels sechs Mal den gelben und
einmal den roten Karton zückte. Den Platzverweis gab es für die Gäste in der 26. Minute für einen Spieler, der gerade gelb gesehen hatte, aber dann muss er wohl noch irgendwas gesagt haben
und erhielt direkt danach die knallrote Karte. Unter den verwarnten Spielern war auch Rafael, der 40-jährige Ex-Bundesligaspieler von Borussia Mönchengladbach, Hertha BSC Berlin und dem FC
Schalke 04 (insgesamt 320 Erstliga-Spiele), der über 89 Minuten des Spiels aber erstaunlich blass blieb, mehr dazu aber noch später im Bericht. Hilfarth konnte
mit der Überzahl aber wenig anfangen und so würde ich sogar leichte Vorteile an Ay-Yildiz Spor vergeben, wenn ich die erste Hälfte zusammenfassen müsste. Nach dem Seitenwechsel übernahmen die
Einheimischen mehr und mehr das Kommando und hatten auch bedeutend mehr Offensivzeiten. Sie bekamen ein Tor nach knapp einer Stunde Spielzeit nicht anerkannt, da dem Schützen der Ball vorher
wohl an die Hand gesprungen war. Auf der anderen Seite hatten sie dann aber Glück, als die Gäste nur den Pfosten trafen. Ein weiteres Mal hatten sie dann Glück, dass der Unparteiische (auf
den sich die Türken mittlerweile sowieso schon komplett eingeschossen hatten), einen Rempler im Strafraum tatsächlich schlimm genug empfand, um hier auf den Punkt zu zeigen. Nach diesem
verwandelten Strafstoß hatten die Germanen alle Trümpfe in der Hand und es waren nur noch etwa zehn Minuten plus Nachspielzeit auf der Uhr. Allerdings startete Hückelhoven eine mächtige
Schlussoffensive und drängte auf das 1-1. Bei einem der vielen Angriffe wurde im Strafraum ein Ay-Yildiz Spor Spieler regelwidrig zu Fall gebracht und es gab auch auf dieser Seite einen
Strafstoß. Natürlich übernahm Rafael die Verantwortung und zimmerte die Kugel ziemlich zentral in die Maschen. Der Torhüter der Hausherren war zwar noch mit den Fingerspitzen dran, aber der
Ball war viel zu wuchtig geschossen. Hilfarth war geschockt und der Tabellenfünfte suchte sein Heil weiter in der Offensive. Die letzte der insgesamt fünf Minuten Additional Time war bereits
angebrochen, als man es nochmal über außen versuchte. Die flache Hereingabe wurde am ersten Pfosten von Rafael mit einer überragenden Übersicht einfach durchgelassen und hinter ihm stand
mittig ein Mitspieler von ihm völlig blank und musste nur noch ins leere Tor einschieben. Groß war die Jubeltraube auf dem Rasen, die nicht nur Spieler & Verantwortliche beinhaltete,
sondern auch locker eine zweistellige Anzahl an Zuschauer. Die Partie wurde zwar nochmal angepfiffen, aber es passierte nichts mehr und somit nimmt der Gast die drei Punkte mit auf die kurze
Heimfahrt - und das nicht mal unverdient, wenn man bedenkt, dass sie über eine Stunde mit einem Mann weniger agieren mussten.
Zu Teil 2 des Berichtes => KLICK!