Am ersten vollen November-Wochenende ist Jahr für Jahr immer die bei uns so genannte „Deutschland-Cup Pause“ beim Eishockey, also eine vom internationalen Eishockeyverband
vorgeschriebene Pause, in der die Profiligen (außer die in Nordamerika) pausieren müssen. Gerne nutzen wir diesen Zeitraum für NHL-Reisen, aber wir waren die letzten beiden Jahre „drüben“ und
haben es für das kommende Jahr wieder auf dem Schirm, so dass wir dieses Jahr damit mal aussetzen. Der OFC wurde freundlicherweise vor vier Wochen von der Liga auf Freitag terminiert und so
blieben mir Samstag und Sonntag zum Hoppen. Ich schaute in die näheren ausländischen Top-Ligen, ob hier irgendwas interessantes machbar wäre, aber irgendwie sagte mir nichts zu 100% zu, so
dass ich dann mal einen Blick in die deutschen Oberligen warf. Direkt fiel mir ein Samstagabend-Spiel um 19 Uhr in Wilhelmshaven auf, was dann erst einmal der Fixpunkt war. Passenderweise
fand ich für den Samstagmittag und auch den Sonntagmittag jeweils einen weiteren fehlenden Oberligisten und dazu für den Sonntagabend noch ein Eishockeyspiel in einem Ground, welcher mir noch
fehlte. Drei weiter entfernte Oberligisten und dazu ein Eisstadion, welchem ich schon einiger Zeit hinterher renne, aber wegen dauerhafter Parallel-Spiele zum EC Bad Nauheim bisher noch nicht
kreuzen konnte, das hörte sich nach einem Plan an. Für den Sonntag Vormittag gab es auch noch einige Spiele in Hamburg, so dass ich diese Zwei-Tages-Tour definitiv in meine Planung mit
aufnahm. Mit Matthias fand ich noch einen Mitfahrer für den Samstag, der dann aber Abends nach den beiden Spielen mit dem Zug nachhause fahren wird, da er Sonntags bei seinem eigenen Verein
zugange sein will. Bezüglich des Hotels gestaltete sich die Suche zwischen Bremen und Hamburg nicht ganz so einfach, günstige Optionen gab es zwar, aber alles in Schlafsälen, was für mich gar
nicht in Frage kommt. Auch ein Zimmer mit Gemeinschaftsbad muss ich mir in meinem Alter wirklich nur noch in Notfällen antun, so dass es dann doch einiges an Suchen benötigte, um etwas
halbwegs bezahlbares zu finden. Vor knapp einer Woche buchte ich mir dann ein Zimmer in einem Hotel in Pinneberg, was dann zwar für den Sonntag Morgen knapp 15 Kilometer hin und her Fahrerei
bedeutet, aber das Hotel lag ruhig mit kostenfreiem Parkplatz, so dass ich hier in der Nacht zuvor nicht mitten in Hamburg noch irgendwas suchen muss. Somit war drei, vier Tage vor dem Trip
alles geklärt, einzig es musste noch ein wenig Daumen gedrückt werden, denn alle meine drei Oberligisten haben einen Naturrasenplatz als Hauptplatz. Beim SV Wilhelmshaven machte ich mir keine
Gedanken, aber beim Bremer TS Neustadt oder dem SV Halstenbek-Rellingen war ich mir nicht so sicher. Das Wetter die letzten Tage war aber okay und Regen gab es auch wenig bis gar keinen -
außerdem blieb uns ja sowieso eh nichts anderes übrig, als zu hoffen.
Gestern Abend mit der Rumpftruppe des OFC (zehn verletzte Profis, drei Spieler aus der U21 und zwei aus der U19 mussten ran, teilweise sogar von Beginn an) immerhin ein Punkt
gegen die Zweite vom Bundesligisten Freiburg ergattert, was weder Fisch noch Fleisch ist, aber unter diesen Voraussetzungen, dann doch wieder ganz okay. Um 22 Uhr war ich zuhause und lag eine
halbe Stunde später bereits im Bett. Bis ich eingepennt war, dürfte es aber doch fast Mitternacht gewesen sein und um 6:30 Uhr rappelte der Wecker mich wach. Schnell fertig gemacht, saß ich
um 6:57 Uhr im Auto und startete die Anreise gen Norden, die mit dem Umweg über Friedberg, wo ich Matthias am Bahnhof einsammelte, 454 Kilometer bzw. knapp über viereinhalb Stunden dauern
würde. Zuvo stoppte ich noch am Geldautomaten, beim Bäcker und an einer Tankstelle. Mit Matthias ging es in Friedberg noch in einen Supermarkt und als wir dann auf die A5 fuhren, hatten wir
etwa eine Stunde Puffer bis zum Spielbeginn unserer ersten Partie. Ab dem Ohmtal-Dreieck ging es auf die A49 und am Kreuz Kassel-Mitte auf die A7, die (verkehrstechnisch gesehen)
erstaunlicherweise komplett entspannt zu befahren war. Selbst über das Dreieck Walsrode kamen wie problemlos und auch auf der folgenden A27 war wenig los, zum Ende hin hatten wir noch ein
ganz kleines Stück A1 bis zur Ausfahrt Bremen-Arsten. Die Bundesstraße 6n war es dann, die wir etwas über sechs Kilometer in Richtung unseres Ziels fuhren, welches wir 55 Minuten vor Anpfiff
erreichten. Viele Baustellen in der Umgebung, aber wir hatten Glück, dass gerade eine Frau auf dem kleinen Parkplatz des Sportgeländes ihr Auto bepackte und drei Minuten später davon fuhr.
Erster Weg war natürlich die Kontrolle, ob tatsächlich auf dem Hauptplatz mit Naturrasen gespielt wird, was durch Aufwärmhütchen auf dem Platz, gesteckte Eckfahnen und einen abgestreuten
Platz bestätigt wurde. Der Kassierer öffnete extra die Kasse für uns, wir gingen halt schon rein, weil im Sportplatz-Umfeld allgemein wenig Spannendes zu sein schien. Zu zahlen waren in der
Bremen-Liga (fünfthöchste Liga) superfaire vier Euro, am Mittwoch in Strothe hatte ich für Kreisoberliga Hofgeismar-Wolfhagen (8. Liga Hessen) fünf Euro zu zahlen. Drinnen natürlich genug
Zeit gehabt für die Fotorunde und ein wenig sinnlose Laberei, aber auch diese Zeit bekamen wir rum.
In der Bremen-Liga, meiner bisher noch am schlechtest besuchtesten Oberliga (vor dem Spiel 5 von 16), musste es auch mal weiter gehen und das
heutige Duell Bremer TS Neustadt gegen den FC Union 60 Bremen war tabellarisch gesehen Neunter gegen Sechster. Zu den beiden Abstiegsrängen sind es jeweils zehn bzw. zwölf Punkte Vorsprung,
zum Tabellenersten, der am Ende der regulären Runde an der Aufstiegsrelegation in die Regionalliga teilnehmen darf, sind es neun bzw. sieben Punkte Rückstand. Es sieht also so aus, als dürfte
es für beide Mannschaften eher eine ruhigere Spielzeit im Mittelfeld des Rankings geben. Beide Teams sind seit 2019/20 gemeinsam in der Bremen-Liga unterwegs, die Hausherren sind sogar schon
seit 2015/16 durchgehend in dieser Liga.
Nach unserer langen Wartezeit durch unsere verfrühte Anreise (aber lieber so, als zu spät zu kommen), waren wir froh, als es dann endlich los ging. Beide Mannschaften
neutralisierten sich zu Beginn eher, bevor das Pendel aber im Laufe des Spiels immer mehr in Richtung der Gäste ausschlug. Sie gingen auch recht früh in Führung und spielten munter weiter auf
das zweite Tor, es blieb aber erstmal beim knappen 0-1. Bei einem der ganz seltenen Angriffe der Hausherren, wurde ein einfacher Befreiungsschlag dann zu einem gefährlichen langen Ball, der
BTS-Torhüter zögerte eine wenig und kam um exakt den Bruchteil einer Sekunde zu spät. Er senste den Gegenspieler um und erhielt dafür die Rote Karte, absolut vertretbar, trotz dass in der
Mitte noch einer seiner Mitspieler war, der ggf. hätte eingreifen können. Der Ersatztorhüter kam rein, sah beim folgenden Freistoß nicht wirklich sicher aus und bei der Ecke im Anschluss fiel
auch noch das 0-2. Es kam aber noch dicker für die Gastgeber, denn direkt vor der Pause trafen die 60er auch noch ein drittes Mal und mit diesem klaren Vorsprung schien die Partie schon beim
Gang in die Kabinen entschieden zu sein. Eine knappe Viertelstunde nach dem Seitenwechsel verkürzte der BTS auf 1-3, eher es einen kurzen Schockmoment gab. Ein Spieler der Gäste setzte sich
auf den Rasen und die restlichen Spieler auf dem Spielfeld winkten hektisch Hilfe herbei, es schien so, als klage er über ein Unwohlsein und gerade in den letzten Jahren gab es hier ja einige
Fälle, die teilweise sehr unschön ausgegangen sind. Der Krankenwagen wurde gerufen, aber als dieser kam, konnte der Spieler schon gestützt, aber auf eigenen Beinen laufend, das Spielfeld
verlassen. Nach 17 Minuten Unterbrechung wurde das Match dann fortgesetzt und es schien beim recht lockeren Gäste-Erfolg zu bleiben, bis in der 89. Minute die Hausherren plötzlich ein "One
Goal Game" daraus machten. Vier Minuten Nachspielzeit sind auch genug, um hier vielleicht noch den Ausgleich zu erzielen, aber wirklich gute Chancen hatten sie keine mehr, liefen dafür noch
in einen Konter und mit dem 2-4 war das Spiel dann natürlich endgültig entschieden.
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