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Die Uhr zeigte 12:55 an, als ich wieder zurück am Auto war. Ich hatte nun ja massig Zeit und so wählte ich mir nicht die schnellste Strecke (über die Autobahn) aus, sondern
nahm die kürzeste Route, die zumeist ziemlich nah am südlichen Bodensee-Ufer entlang führte. Das Navi sagte 37 Kilometer und 47 Minuten voraus, da es durch einige Käffer ging, in denen
größtenteils nur 30 km/h erlaubt waren. Diessenhofen raus befuhr ich die B13 und hinter Stein am Rhein konnte man schon die Ausläufer des See erkennen und diese immer mal kurzen Ausblicke auf
das Wasser entschädigten durchaus für die Gondelei durch die Ortschaften. Ich hielt an einem Parkplatz zwischendurch mal an und genoss für 20-25 Minuten die Aussicht auf den See wenige Meter
vor mir, es ist echt schon ein schönes Fleckchen Erde hier unten. Ich kam eine halbe Stunde vor Spielbeginn in der Nähe des Sportgeländes an, was sich direkt am Hafen befindet, und, na klar,
Sonntag, schönes Wetter, also erstmal Parkplatz-Chaos. Nachdem ich dann doch einen gefunden hatte, mussten natürlich vier Franken in die Parkuhr geworfen werden. Am Eingang wurde ich nochmal
um weitere 12 Franken erleichtert und drinnen drehte ich logischerweise erstmal meine Fotorunde, bevor ich mich auf eine Bank recht weit seitlich setzte.
In der Promotion League, was die dritthöchste Spielklasse der Schweiz ist, standen sich in meinem achten und letzten Fußballspiel dieser Tour der FC Kreuzlingen und der FC
Bavois gegenüber. Tabellarisch gesehen bedeutete das die Plötze 15 und 6 in einer Liga mit 18 Mannschaften. Die Hausherren sind als Aufsteiger neu in der ersten komplett über die Schweiz
verteilten Liga (ab der 4. Liga wird regional gespielt) und konnten bereits beachtliche 33 Punkte sammeln. Rang 17 und somit der erste von zwei Direktabsteigern ist sechs Zähler, da aber das
Torverhältnis nur drei Tore Unterschied aufweist, fehlt rein rechnerisch noch ein Punkt, um endgültige Klarheit zu haben, auch wenn es vollkommen unrealistisch erscheint, dass der Siebzehnte,
der seit neun Spielen nicht mehr gewonnen hat (ein Remus bei acht Niederlagen), da jetzt komplett rasiert. Die Gäste, zwischen Lac de Neuchâtel und Genfersee gelegen, spielen eine super Runde
und stehen im ersten Tabellendrittel. Mit einem Sieg heute würde man sich auf Platz Fünf verbessern und hätte sogar direkte Tuchfühlung zu Rang Vier.
Man merkte aber früh bei den Gästen, dass die Luft größtenteils raus ist, sie kamen einem zeitweise eher wie eine Hobbytruppe vor, die einfach nur ein wenig ballern will,
gerne auch ein wenig mit Hacke, Spitze, Einszweidrei. Da war der FCK doch bedeutend konzentrierter bei der Sache und gingen früh, in der 9. Minute auch in Front und selbst der überraschende
Ausgleich brachte sie nicht aus der Spur, sondern sie gingen noch vor dem Gang in die Kabinen ein zweites Mal in Führung. Auch nach dem Seitenwechsel blieben die Gastgeber weiterhin
tonangebend, man brauchte aber 20 Minuten in der zweiten Halbzeit um ein drittes Mal einzunetzen und mit dem 4-1 nur eine Handvoll Zeigerumdrehungen später war das Ding natürlich endgültig
durch. Die Schlussviertelstunde plätscherte danach komplett dahin und es passierte gar nichts mehr. Die kleine Kreuzlinger Szene feierte den durch den Dreier nun endgültig feststehenden
Klassenerhalt mit einer kleinen Pyroshow, diese nahm ich natürich noch mit, bevor ich mich auf den Weg zum Parkplatz machte.
Um 17:05 Uhr saß ich im Auto und machte mich auf den Weg nach Zürich, der 71 Kilometer lang war, aber wegen dem Verkehr unterwegs 1:06 Std. dauern sollte. Direkt am Stadtrand
von Kreuzlingen ging es auf die A7 und kurz vor Winterthur auf die A1. Diese brachte mich in die bevölkerungsreichste Stadt der Schweiz, wo ich zum Schluss noch knapp ein Viertelstunde
Stadtverkehr vor mir hatte. Die Parkplatzsuche vor zwei Tagen war einfach katastrophal, so bog ich an der Abfahrt der Arena einfach mal in die andere Richtung ab und sah nach wenigen hundert
Metern eine Kleingartenanlage. Dort stand ein Security-Mitarbeiter und ich dachte mir eigentlich „Joa, die werden aufpassen, dass hier niemand parkt und schicken mich weg!“, aber weit
gefehlt, er winkte mich weiter und deutete auf einen kleinen Parkplatz. Dieser hatte eine Schranke an der Ein-/Ausfahrt, eigentlich parke ich bei sowas gar nicht gerne. Extra nochmal den Mann
gefragt und der sagte mir, dass der Parkplatz am Wochenende extra für die Eishockey-WM geöffnet wird und selbst wenn die Schranke unten wäre, wenn man von innen ran fährt, würde sie hoch
gehen. Na also, das war schon ein kleiner Jackpot, denn es wurde noch nicht mal Geld verlangt (zur Erinnerung: vorgestern hatte ich im Parkhaus 13 Franken zu zahlen). Ich blieb noch ein wenig
im Auto sitzen, denn das Nachmittagsspiel lief sowieso noch und ich hätte eh noch nicht in die Arena gekonnt. Also noch ein wenig hier am Bericht getippt und um 19:15 Uhr langsam in Richtung
Swiss Life Arena aufgebrochen. Leider setzte es nach erneut nicht überzeugender Leistung mit 0-2 die zweite Niederlage im zweiten Spiel. Das Lettland-Spiel war so ein wenig als „Key Game“
ausgedeutet, was am Ende über Viertelfinaleinzug ja oder nein entscheiden könnte. Ab sofort wird es schwer die Gruppenphase zu überstehen bzw. man hat es nun definitiv nicht mehr in der
eigenen Hand. Nach dem Spiel wartete ich noch die Hymne des Siegers ab (ich finde, das gehört sich so) und machte mich während des Shakehands auf den Weg zu meinem geparkten Auto. Am
Parkplatz war sogar die Schranke noch oben und ich konnte direkt einsteigen und los düsen. Dieses war um exakt 23 Uhr der Fall und laut Navi hatte ich nun 467 Kilometer hinter mich zu
bringen, die zeitlich mit 4:27 Std. angesetzt waren. Da ich aber morgen nicht raus muss, habe ich alle Zeit der Welt und es ist vollkommen egal, ob ich um 3:30 Uhr, 4:00 Uhr oder auch um 5:00
Uhr nachhause komme, Hauptsache ich komme überhaupt gesund und munter nachhause. Direkt am Stadtrand von Zürich (quasi fast auf Höhe der Arena) begann die A1 in Richtung Westen und auf dieser
blieb ich, bis ich bei Müllingen auf die A2 nach Basel wechselte. An der Abfahrt Rheinfelden-West verließ ich die Autobahn, um hier über die Grenze zu fahren, was eh von Zürich kommend die
bessere/schnellere Variante ist, als bis Basel weiter zu fahren, zumal hier (vermutlich in der langen Baustelle) alles rot war. Direkt nach der Wiedereinfahrt in Deutschland beginnt die A861,
die nach nur wenigen Kilometern am Dreieck Hochrhein in die A98 übergeht. Am Dreieck Weil am Rhein galt es auf die A5 abzubiegen, auf der ich viele Kilometer in Richtung Norden blieb, an
Freiburg, Karlsruhe (hier machte ich eine viertelstündige Kaffeepause), Mannheim und Darmstadt vorbei. Beim Flughafen FRA musste ich noch rüber auf die A3 und auf der B43a ging es an Hanau
vorbei, bevor ich noch eine Autobahn befuhr, und zwar die A45. Da der Kaffee bei Karlsruhe irgendwie Wunder wirkte, brauchte ich keine weitere Pause und war nach einer Viertelstunde auf
Landstraßen um 3:55 Uhr zuhause nach insgesamt 1.585 gefahrenen Kilometern in den letzten vier Tagen. Einerseits happy, dass soweit alles geklappt hat (mal abgesehen vom zeitweise echt sehr
bescheidenen Wetter) und ich acht Kicks machen konnte, obwohl mir vorher nur sechs klar waren, denn bei Rapperswil-Jona war ich mir echt nicht sicher, ob das zeitlich hinhaut - aber
andererseits auch komplett frustriert aufgrund des echt schwachen Auftreten der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft.