Die beiden nördlichen BENELUX-Staaten, also Belgien und die Niederlande, sind nach Tschechien meine beiden Länder, in denen ich im Ausland die meisten Grounds besucht habe. In Belgien machte
ich im April 2025 die zweite Liga komplett und in der ersten Liga musste noch der Neubau in La Louviere gemacht werden was am 27.12. des vergangenen Jahres der Fall war und wo meine mit 205
Spielen am Stück absolut längste Serie ohne 0-0 Spiel riss. Im Nachbarland Niederlanden fehlte mir lange nur Volendam, weil es hier in ihrem kleinen Stadion nicht so einfach war Tickets zu
bekommen und zudem war lange online keine Kreditkartenzahlung erlaubt, sondern nur niederländische Zahlungssysteme oder Bank Accounts. Irgendwann erlaubte man dann auch mal die Kreditkarten
und im vergangenen September passte es endlich auch im zweiten Versuch (den ersten Versuch mussten wir ja abbrechen, siehe => HIER!) gegen einen „kleineren Gegner“ mit der
Ticketverfügbarkeit. Nun hatte ich zwar Volendam endlich gekreuzt, aber zwischenzeitlich hatten die beiden Zweitligisten Helmond und Cambuur-Leeuwarden neu Stadien eröffnet. Ersteres wurde
Ende Januar diesen Jahres besucht und mit Leeuwarden fehlte also nur noch ein Stadion. Ich wollte dieses unbedingt noch in dieser Saison erledigen, denn man steigt in die erste Liga auf und
dann dürfte es hier auch wieder schwerer mit den Karten werden. Die Termine passten mir aber alle nicht, bis auf der allerletzten Spieltag und trotz dass man bereits zwei, drei Wochen vorher
den Aufstieg in die Eredivise klar gemacht hatte, war klar, dass es hier sicherlich voll werden wird. Ich fragte in meiner üblichen Runde rum, wer denn Interesse hat, aber aufgrund der frühen
Abfahrtszeit konnte es sich nur Bernd einrichten und als am 07. April der Ticketverkauf startete, schlug ich direkt zu. Das war auch gut, denn noch am gleichen Abend wurde auch bereits „sold
out“ vermeldet.
Wie ich bereits oben erwähnt hatte, steht der SC Cambuur-Leeuwarden schon seit Ende März auf Aufsteiger in die höchste Spielklasse fest. Sie waren seit 1965/66 nie niedriger
als in er 2. Liga angesiedelt, insgesamt also nun 61 Saisons lang durchgehend, von denen man aber 52 Spielzeiten zweitklassig war. Man hatte aber zwischendurch immer mal kurze Phasen, in
denen sie in der Eredivisie ran durften, diese hielten aber meisten nicht sehr lange an (2 Jahre von 1992 bis 1994, 2 Jahre von 1998 bis 2000, 3 Jahre von 2013 bis 2016 und 2 Jahre von 2021
bis 2023). Die Gäste von der deutschen Grenze waren eigentlich seit 1989/90 am Stück in der 1. Liga anzutreffen, vor zwei Jahren standen sie sowieso unter dem Strich, bekamen dann wegen
Lizenzverstößen noch 18 Punkte abgezogen und mussten somit nach 35 Jahren wieder eine Liga-Ebene nach unten. Vergangenes Jahr erhielt man wegen zu spät eingereichter Finanzberichte und
weiteren Verstößen sogar 39 Punkte abgezogen und war am Ende der Saison dennoch mit +5 Zähler im positiven Punktebereich. Die die beiden oberen Ligen in den Niederlanden geschlossene Ligen
sind, aus denen man nur finanziell absteigen kann, blieb man also in der Liga. Allerdings bekam man im vergangenen Sommer erstmal die Lizenz komplett verweigert und erst spät erhielt man dann
doch noch die Starterlaubnis, dazu gab es aber – wie sollte es auch anders sein – mal wieder einen Punktabzug und zwar dieses Mal in Höhe von 12 Punkten. Sportlich spielt man aber sogar eine
ordentliche Rolle und belegt trotz des Punktabzuges den 11 von 20 Plätzen. Eigentlich zu weit weg von den sechs Teams hinter den beiden Fixaufsteigern, die in drei Relegationsrunden noch
einen dritten Aufsteiger ausspielen. Jetzt aber das große ABER: In der zweiten Liga in den Niederlanden wird eine Saison neben der regulären Tabelle noch in vier Perioden unterteilt. Jeder,
der eines dieser Viertel gewinnt, darf an der Aufstiegsrelegation teilnehmen, sofern man nicht eh schon direkt aufgestiegen ist oder halt sowieso auf einem diesen Relegationsplatzen Drei bis
Acht steht. Um das Ganze noch kurioser zu machen, Arnheim steht im letzten Saisonviertel aktuell auf dem dritten Platz und könnte diese Periode heute sogar noch gewinnen, damit dürfte man
sogar doch noch an der Relegation teilnehmen. Es wird aber immer wilder und dieses betrifft jetzt auch noch den FC Den Bosch: Weil die zweiten Mannschaften nicht an den Aufstiegsspielen
teilnehmen dürfen und der Jong PSV Eindhoven derzeit als Sechster raus fallen würde, dürfte der FC Den Bosch auf Platz Neun nachrücken. So weit, so gut... Wenn aber Arnheim noch die letzte
Periode gewinnt, dann dürften sie einrücken und der FC Den Bosch würde hinten heraus fallen. Vor Arnheim in der Periodenwertung stehen Willem II und ADO den Haag. Zuletzt genanntes Team ist
bereits aufgestiegen als Tabellenerster, tritt aber heute ausgerechnet in Den Bosch an. Wer jetzt noch mit kommt, kapiert direkt, dass der FC Den Bosch eigentlich sein Heimspiel gegen Den
Haag verlieren müsste und dann würden sie ganz sicher in den Aufstiegs Play-offs sein, da Arnheim (selbst mit einem Sieg heute in Leeuwarden) in der Periodenwertung nicht mehr an Den Haag
vorbei ziehen kann. Mit dieser Perioden-Aufteilung versucht man bis Saisonende Spannung aufrecht zu erhalten, aber dabei kommt es halt in dieser Saison zu dieser dummen Situation, dass einem
Team eine Niederlage sicher mehr weiter hilft, als ein eigener Sieg – völlig irre, aber ist nun mal so!
Natürlich klingelte unmittelbar vor Feierabend nochmal das Telefon, so dass ich erst um 13:05 Uhr an der Stechuhr vorbei kam und natürlich ging direkt vor mir in Stockheim
(wodurch ich überhaupt nur wegen der Straßensperrung bei Effolderbach musste) die Bahnschranke herunter, was auch wieder drei, vier Minuten kostete. In Staden sammelte ich Bernd ein und als
wir auf die A45 fuhren hatten wir 493 Kilometer und 5:07 Std. auf dem Navi stehen, also hatten wir 1:23 Std. Puffer bis Spielbeginn. Bis Hagen kamen wir problemlos voran, auch wenn der
weitere Verlauf bereits ein wenig mehr staugeplagt war und die erste Viertelstunde vom Puffer verschwunden war. Am Westhofener Kreuz wichen wir dann von unserer eigentlich geplanten Route ab,
denn im Ruhrgebiet war mal wieder massig Verkehr angesagt. Ich entschied mich via A1 in Richtung Norden weiter zu fahren, was knapp zehn Kilometer weiter war, aber mit der aktuellen
Verkehrsrechnung dafür acht Minuten schneller. Auf der A1 blieben wir bis zur Abfahrt Münster-Nord, wo wir die Ost/West-Querverbindung B54 für 43 Kilometer befuhren, ehe es wieder auf eine
Autobahn ging, die A31 in Richtung Emden. Bei Nordhorn fuhr ich nochmal runter und tankte voll, zurück auf dem Highway stand der Puffer „nur“ noch bei 58 Minuten. Nachdem wir an der Ausfahrt
Meppen-Nord auf die B402 abbogen, waren es nur noch fünf Kilometer bis zur Grenze und überquerten diese um 17:45 Uhr. Nun hatten wir in den Niederlanden noch 135 Kilometer, beginnend auf der
A37 an Hogeveen vorbei in die westliche Richtung. Am Kreuz Lankhorst dann ein letzter Autobahnwechsel zur A32, die uns nordwestlich zu unserem Ziel brachte. Hier brauchten wir noch die
Umgehungsstraße N11 und kamen westlich in Leeuwarden rein, das Stadionumfeld erreichten wir um 19:08 Uhr. Wir nutzten die allererste Möglichkeit zu parken, wo man auch von Ordnern eingewiesen
wurde, das war echt alles top organisiert, Hut ab. Nach sieben, acht Minuten Fußmarsch waren wir am Stadion, aber wie es gefühlt immer ist, war unser Eingang natürlich auf der komplett
gegenüber liegenden Seite. Endlich drinnen, kaufte Bernd mir eine. Komplettierungsschoppen (Danke nochmal!) und wir schauten zu, wie sich die Bude füllte. Es war heute auch noch Veterans Day
und so gab es noch die ein oder andere Aktion auf dem Rasen.
Mit leichter Verspätung wurde die Partie angepfiffen und wir bekamen direkt zu Spielbeginn ein super Pyro-Intro im Gästeblock links von uns aus geboten. Das Spiel war von
Beginn an geprägt von vielen kleinen Fouls, Nickeligkeiten und viel Unruhe auf dem Feld. Eigentlich hatten wir damit so nicht gerechnet aufgrund der Umstände und Tabellensituationen. Die
ersten drei gelben Kartons gingen an die Mannschaft von der deutschen Grenze und damit nicht genug, einer der bereits Verwarnten leistete sich das nächste dämliche Foul und Arnheim war fortan
nur noch zu Zehnt auf dem Rasen. Keine gute Phase, denn en, zwei Minuten vorher sickerte der (erwartete) Führungstreffer für ADO durch. Das brachte einen ersten kleinen Bruch in Sachen
Stimmung im Gästeblock, die hielt aber nicht lange an, denn aus dem Nichts erzielten die zehn Vitesse-Akteure plötzlich ihre 0-1 Führung und brachten diese auch in die Kabine. Zuvor gab es
aber neben diversen Scharmützeln um den Gästeblock auch diverse Bierduschen in beide Richtungen, Bernd tat es in der Seele weh das fliegende und nicht getrunkene Bier mit anschauen zu müssen.
Nach dem Seitenwechsel mit Beginn der zweiten Hälfte gab es den zweiten Teil der Vitesse-Pyro-Show, aber man musste früh in den zweiten 45 Minuten per direktem Freistoß den den Ausgleich
hinnehmen und parallel lag Den Bosch mittlerweile mit 0-3 zurück. Das sorgte merklich für Frust bei den Gäste-Anhänger und bei einer dritten Pyro-Show warf man auch erste bengalische Fackeln
in den Heimbereich. Das ist natürlich ein absolutes "No Go" und beschämend, diese Dinger auf Menschen zu werfen und der bis dato 1a-Auftritt von Arnheim bekam Minuspunkte. Das Spiel war für
zehn Minuten unterbrochen und danach war erstmal viel Leerlauf, auf und neben dem Rasen war für locker 15-20 Minuten die Luft komplett raus. Erst die sich leicht bessernden Ergebnisse bei den
Parallelspielen ließ wieder ein wenig Wallung in die Truppe von Coach Rüdiger Rehm und dem Sechser Marco Schikora (beides ehemalige OFC-Spieler) bringen. Man versuchte zu Zehnt doch noch das
Siegtor zu erzielen, um wenigstens die eigenen Möglichkeiten voll auszuschöpfen, die anderen Ergebnisse hat man eh nicht in der eigenen Hand. Der Treffer fiel aber auf der anderen Seite und
nachdem der Aufsteiger das 2-1 erzielte, machte man sich im Heimbereich so langsam zum Feiern auf, aber im Gästeblock wurde sich nochmals unter einer Fahne versteckt und es war klar, dass
hier noch etwas passiert. Pyro-Show Nummer Vier startete etwa 1,5 Minuten vor dem Ende und nun flogen einige Fackeln wieder in den Heimbereich und das Spiel wurde direkt wieder unterbrochen.
Nun "wehrten" sich auch die SC-Fans und warfen die Fackeln teilweise zurück und dazu flog neben erneutem Bier auch viele andere Gegenstände hin und her und man musste wirklich aufpassen nicht
getroffen zu werden. Die Arnheimer Spieler versuchten erst zu beruhigen , dann wurden aber beide Mannschaften in die Kabine geschickt. Es gab einige Minuten lang Rumble und Rambazamba um den
Gäste-Bereich und man wusste nicht, ob das Spiel beendet oder abgebrochen, oder doch nur unterbrochen war. Wir verweilten auch noch einige Zeit im Stadion, als dann aber
durchgesagt wurde, dass die Spieler nicht mehr zum Spielen auf den Rasen zurückkehren werden, machten wir uns auch auf den Weg zurück zum Auto.
Es war mittlerweile auch schon 22:50 Uhr, als ich den Schlüssel umdrehte, also locker mal 30-40 Minuten später als gedacht. Leider war die kürzeste Strecke direkt am Stadion vorbei noch
abgesperrt, also einmal im Kreisel kehrt gemacht, aber aufgrund der anhaltenden Feiereien im Stadion kamen wir allgemein recht gut weg und waren knapp fünf Minuten nach Abfahrt schon wieder
auf der A32 gen Süden. Nun war natürlich der ganze Verkehr vom Mittag weg und so konnten wir jetzt die direkteste und schnellste Route nehmen, die bis zu unserem Treffpunkt in Staden exakt
500 Kilometer lang war und laut Navi 4:37 Std. dauern sollte. Wir blieben auf der A32 an Heerenveen vorbei, wechselten dahinter auf die A28, die uns an Zwolle vorbei brachte und direkt danach
mussten wir auf der A50 weiter. Hier ließen wir Apeldoorn seitlich liegen und wechselten kurz vor der Heimatstadt des Gästevereins noch auf die A12 und weiter ging es nach Deutschland. Die
Grenze passierten wir um 0:45 Uhr, hatten uns an der Tanke zuvor aber noch schnell einen Kaffee gezogen. Im Heimatland wurde die Autobahn zur A3 und hier switchten wir am Kreuz Oberhausen auf
die A2 und am Kreuz Dortmund-Nordwest auf die A45, wo wir die letzten gemeinsamen 214 Kilometer dieser Tour hatten, denn die A45 geht durch bis nach Staden. Hier kamen wir um 3:40 Uhr und ich
tankte zur fairen Abrechnung nochmal komplett voll, ehe sich unsere Wege trennten. Das letzte Stück alleine brachten wir dann beide auch noch hinter uns und um exakt 4 Uhr stellte ich mein
Fahrzeug nach fast ziemlich genau 1.050 Tageskilometern in der Garage ab. Da ich erstaunlicherweise recht fit war, obwohl ich jetzt ja auch schon 22 Stunden am Stück wach war, machte ich oben
noch schnell den Bericht fertig, ehe ich mich ins Bett legte.