Bisher war ich in diesem Winter mit nur einen einzigen Testspiel durch gekommen und hatte doch recht lange auch pausiert, um mal „ein wenig herunter zu kommen“. Diese Woche hatte ich mir dann
aber vorgenommen wieder komplett einzusteigen, wobei der gestrige Dienstag schon mal mit Eishockey und dem Auswärtsspiel des EC Bad Nauheim in Düsseldorf blockiert war. Für heute gab es zwei
Möglichkeiten auf Pflichtspiele, das eine war ein Duell zweier zweiten Mannschaften, das andere war ein Kreispokalspiel eines B-Ligisten auf dem Nebenplatz mit einfacher Fahrstrecke 1:45
Std.! Letzteres war mir nach dem Ritt nach Düsseldorf gestern einfach zu anstrengend und bzgl. Ersterem, versuche ich möglichst schon immer die Grounds mit den ersten Mannschaften zu kreuzen,
wenn es denn irgendwie geht. Aufgrund von Müdigkeit entschied ich mich dann eben für mein zweites Testspiel in diesem Winter und einem Platz, der nicht allzu weit von zuhause entfernt ist.
Aufgrund des erneuten Schneefalls vom Montag fiel sogar noch die ein oder andere Begegnung aus, aber es gab noch genug an Auswahl für mich.
Meine Wahl fiel eigentlich auf ein Testspiel zwischen dem FSV Beuern und dem SV Echzell, allerdings war dieses eines der oben bereits erwähnten Spiele, die abgesagt oder (wie
in diesem Fall) um eine Woche nach hinten verschoben wurden. Alternativen an Testspielen gab es noch einige, aber fast keine auf den Hauptplätzen der jeweiligen Vereine, die meisten waren auf
den Nebenplätzen. So überlegte ich mir Platz 4 des Sportparks in Neu-Isenburg zu kreuzen, allerdings wurde das Test-Match der heimischen Spielvereinigung gegen die SpVgg. 05 Oberrad ebenfalls
heute morgen abgesagt. Ich schwankte zwischen dem Kunstrasenplatz neben dem Stadion Johannisau in Fulda (SG Johannesberg vs. TSV Germania Fulda) oder dem Nebenplatz von Eintracht Lollar mit
dem Friendly gegen den TSV Michelbach. Die Anfahrtszeit war jeweils ziemlich gleich, aber bei letzterem Kick war die Anstoßzeit mit 18:30 Uhr um anderthalb Stunden früher, was natürlich
bedeutete, dass ich nur ein paar Minuten Couch Time hatte, bevor ich wieder los musste, aber dafür bin ich dann ja auch wieder entsprechend früher zuhause. Los ging es um 17:38 Uhr und laut
Navi sollte ich exakt eine Dreiviertelstunde für die 60 Kilometer benötigen. Am „Häuserhof“ hatte ich eine geschlossene Bahnschranke, aber hatte auch nicht die allergrößte Hetze, so lange ich
irgendwie vor Anpfiff ankomme, reicht mir das vollkommen aus. In Berstadt befuhr ich die A45 und wechselte am Südkreuz Gießen auf den Gießener Autobahnring, die A485. Kurz bevor dieser
automatisch in die B3 übergeht, verließ ich am Gießener Nordkreuz die Autobahn und hatte keine drei Kilometer später direkt am Ortsrand von Lollar mein Ziel erreicht. Das Auto stellte ich um
18:23 Uhr dort ab, lief aber erstmal am Eingang zum Kunstrasen vorbei und den Rasenplatz entlang. Dem gerade aus der Kabine kommenden Schiedsrichter konnte ich dann aber folgen, denn ich
kleines Cleverle dachte mir fast, dass er das gleiche Ziel hat wie ich. Spaß beiseite, da Lollar noch im Sportheim war, konnte ich auch noch in Ruhe ein paar Fotos schießen, Spielbeginn war
dann sowieso erst wieder 18:34 Uhr.
Das Duell war der Tabellen-17. aus der Gruppenliga Gießen/Marburg gegen den Dritten der Kreisoberliga Gießen/Marburg Nord. Bei erst elf gesammelten Zählern und fünf
Regelabsteigern ist der Abstand auf den Abstiegsrelegationsplatz genauso groß, wie die in den ersten 20 Saisonspielen gesammelte Punktzahl. Es erscheint mehr als nur realistisch zu sein, dass
die Eintracht den Gang in die Liga antreten muss, in welcher der heutige Gegner aktiv ist. Ob man dann ab Sommer aber Ligakonkurrenten sind? Könnte tatsächlich gut sein… Allerdings beträgt
der Abstand des TSV auf den Aufstiegsrelegationsplatz nur sechs Punkte und man hat den direkten Konkurrenten am drittletzten Spieltag noch auf dem heimischen Sportgelände als Gegner.
In der ersten Hälfte war das Spiel wenig erwärmend und ich fröstelte ein wenig. Das Tempo war eigentlich gar nicht mal so schlecht, aber Strafraumszene waren Mangelware bis
schlichtweg einfach nicht vorhanden, es spielte sich das Meiste recht weit mittig des Spielfeldes ab. Das Spannendste war fast noch der Schiedsrichter, der mit seiner unfassbar kleinlichen
Linie in den ersten 45 Minuten einfach mal vier den gelben Karton in die Luft reckte. Tor fiel auch eins, und zwar für die Gäste, so dass es wenigstens nicht mit einem torlosen Remis in die
Kabinen ging. Nach dem Seitenwechsel bzw. genauer gesagt nach einer Stunde Spielzeit wurde es wild. Ein Allerweltsfoul einer der bereits verwarnten TSV-Akteure und der Unparteiische zückt
gelb-rot, kann man vielleicht sogar geben, aber in einem Testspiel hätte ich da vielleicht ein wenig mehr Fingerspitzengefühl erwartet. Das sahen die Michelbacher Spieler alle so und es kam
zu Diskussionen und plötzlich sah ich erneut eine rote Karte, wegen angeblicher Beleidigung. Wie auch immer, absoluter Wahnsinn so etwas in einem „unwichtigen“ Testspiel, am Ende landeten wir
neben den beiden Platzverweisen noch bei insgesamt sechs Verwarnungen. Das klassenhöhere Team nun also eine halbe Stunde mit 11 gegen 9 und auch wenn es teilweise wie ein Powerplay um den
Strafraum aussah, spielte man es dennoch ganz schlecht aus. Michelbach hatte sogar noch ein, zwei kleinere Möglichkeiten per Konter um auf 0-2 zu stellen, da sie diese nicht nutzten, konnten
sie auch den Sieg nicht mit nachhause nehmen. Ein Abpraller nach einem der vielen Eckbälle wurde aus knapp 20 Metern flach ins Netz bugsiert und so trennte man sich nach exakt 90 Minuten
schiedlich und friedlich mit einem 1-1 Unentschieden.
Um 20:25 Uhr saß ich bei Temperaturen knapp über den Gefrierpunkt wieder in meinem Fahrzeug und startete meine Heimfahrt. Die Sitzheizung verrichtete ihren Job und für mich
ging es wieder die gleiche Strecke zurück wie auf der Hinfahrt, natürlich nur in die entgegengesetzte Richtung. Somit auch wieder über A485 und A45 bis zur Ausfahrt Berstadt, da ja das
Bundesstraßen-Teilstück zwischen Hungen und Nidda nun bis in den Sommer hinein vollgesperrt ist. Durch die frühe Anstoßzeit war ich somit bereits um 21:15 Uhr wieder zuhause, duschte dann
oben warm und schaute noch ein wenig Olympia, schlief aber auch zeitnah ein.